Donnerstag, 8. März 2012

CeBIT Styleguide

Einen Styleguide findet man im Programmierjargon ja eigentlich nur, wenn es darum geht: "wie strukturiere ich meinen Code lesbar". Bei diesem Styleguide handelt es sich jedoch tatsächlich um einen Mode-Guide. Ich hätte nie gedacht, dass gerade ICH über Mode blogge. Aber die CeBIT, auf der ich heute war, gibt allen Anlass, denn stellenweise habe ich definitiv das Würgen bekommen. Daher gibts heute eine ganze Reihe an NO-GOs, wenn ihr dort in den Business-Hallen verkehrt.

Jung und im Anzug - ist kein No-Go, sondern zeigt Potential, ABER dann muss es wirklich passen. Ich gehe seit meinem 14ten Lebensjahr auf die CeBIT und seit meinem 18ten in einem vernünftigen Anzug. Von Kopf bis Fuß. Was dabei dann aber gar nicht geht:
- Jacket, Hemd, gute Hose und dann....Sneaker oder anderweitiges Turnschuhwerk. Sofern ihr nicht gerade ein abgedrehter Rockstar oder ähnliches seid: lasst es bleiben. Wenn euch die netten Herren auf den Ständen dann anlächeln ist das nicht nett gemeint. Die lachen euch aus!
- noch schlimmer ist die Kombination von Jacket und Baggy-Pants. Da nimmt euch keiner mehr ernst. Weder die einen, noch die anderen.
- neuerdings tauchen immer mehr Kombinationen von Jacket und T-Shirt auf. Das hat noch keiner in Deutschland als Business-Casual gekennzeichnet, ist in den vereinigten Staaten aber bereits seit längerem etabliert. Aber auch hier gilt: less is more. Unifarben ist überhaupt kein Problem, solange es sich nicht mit dem Jacket beißt. Ein Logo ist auch kein Problem, sofern man dem Träger nicht das Jacket vom Leib reißen muss um zu erkennen, um was es sich handelt. Nicht gehen tun: Alloverprints. Sieht einfach überfrachtet aus. Noch schlimmer: Metall-Shirts zum Jacket! Auch sollten diese T-Shirts eng anliegen und nicht schlabbern! Kann also nicht jeder tragen.
- Aber auch bei T-Shirt/Jacket-Kombi gilt: keine Turnschuhe oder Baggys!
- "If she's no IT-Pro, leave her at home" - gemeint ist das nette Accessoir namens "Freundin". Es gibt nichts schlimmeres als eine solche an der Hand zu halten während man durch die Design-Halle staunt und sie fragt: "Willst du noch länger so langsam schlendern?"
- Nichts gegen Frauen auf der CeBIT, die gehören definitv dahin. Egal ob Business oder Hostess. Aber wenn da jemand privat unterwegs ist gibt es auch da zwei tödliche Faux-Pas:
- Der Rock sollte mindestens bis zum Knie gehen, wenn Business gefragt ist, ansonsten ist mitte Oberschenkel schon grenzwertig. Die "erweiterten Gürtel", liebe Frauen, wollt ihr nicht tragen. Geifernde alte Säcke gibt es da schon genug wegen der Technik, das muss nicht noch provoziert werden. Außerdem gibt es dafür Professionelle Hostessen!
- zweites und viel schlimmeres: Leggings, wenn nichts den Hintern bedeckt (Bluse, Kleidchen,...) und noch schlimmer, wenn diese Leggings auch noch durchgesessen ist und die Blümchen-Unterwäsche durchscheinen lässt. Bah! Heute tatsächlich live gesehen.

Aber nicht nur das Jungfolg macht Fehler, nein auch das ältere Semester.
- Wenn man schon im Anzug rumläuft und Mäntel o.Ä. dabei hat: benutzt die verdammte Garderobe. So viel kostet die jetzt auch nicht und will man wirklich den ganzen Tag einen Trolli über die Messe ziehen oder mit dem übervollen Rucksack bei jeder Drehung Leute erschlagen?
- Wo wir auch schon beim nächsten Thema wären: Rucksäcke. Niemals zu einem Anzug. Habe selbst den Fehler mal gemacht, aber es sieht einfach nicht aus, wenn der schwerer werdende Rucksack das Jacket immer weiter in die Schulter knittert.
- Wenn ihr nicht gerade beim Marketing seid, übermäßig Aufsehen erregen wollt oder euch selbst für eine Lichtgestalt haltet: Lasst die glänzenden Anzüge weg. Das sind größtenteils Hochzeitsanzüge! Auf einer Hochzeit könnt ihr als Bräutigam strahlen wie verrückt, aber nicht auf der CeBIT, wenn ihr auf Business Kontakte trefft.
- Ansonsten gilt auch da das übliche: sauber, keine ausgefransten Hemdknöpfe, keine zerzupften Seidenkrawatten, Krawatten sollten gekonnt gebunden sein (dafür gibt es Bücher und youtube-Tutorials), ...

Alles in allem kann man mit seiner Kleidung ziemlich deutliche Statements setzen und sich somit zu verschiedenen Interessengruppen bekennen:
Als reiner Gamer kann man gerne rumlaufen wie "Schlunz". Das ist egal, die Spieleherstellen wissen, dass Mami+Papi das Monatsabo bezahlen.
Als Jungspunt / Berufsstarter muss kein Designer-Anzug her, aber ein Jacket schadet nicht.
Auch Angestellten steht Anzug und Krawatte wie seit Ewigkeiten gut.
Wenn ihr es euch erlauben könnt ohne Krawatte rumzulaufen seid ihr entweder einer von der kreativen Abteilung oder euer Umsatz oder Wert ist für euren Arbeitgeber so gewaltig, dass der sich nicht traut etwas dagegen zu sagen.
Techi's sind auf der CeBIT in ihren Hallen weiterhin mit langen Haaren, Metall-Shirts und Jeans akzeptiert. In den Business-Hallen werden sie allerdings teilweise(!) schief angeschaut.
Seid ihr nun ein Mann des großen Geschäfts ist ein guter Anzug unumgänglich!
Und wer als Show-Act oder Hostess dort ist, der/die haben eh keine Wahl in welches Hasenkostüm oder knappe Kleidchen oder Hotpants sie gesteckt werden.

In diesem Sinne hoffe ich nächstes Jahr auf weniger Augenkrebs.

Kommentare:

  1. Bei all dem Text kann ich doch das Bild mit der Leggins und der Blümchenunterwäsche nicht verdrängen... ARGH!

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    1. Ich bin immernoch ein Zauberer und kann Bilder in deinen Kopf projezieren!

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  2. Na klasse, dann kann ich also meine alten Leggins und die Blümchenunterwäsche entsorgen.
    Oder halt. Das war ja für die Mädls. Ähäm.

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  3. Na zum Glück interesiert mich die CeBITT weder beruflich noch privat, somit bleiben mir Blümchenunterwäsche und co erspart. ^^ Das man dienstlich sowie bei Ausbildungstechnischen Absichten nicht im Schlabberlock erscheint, sollte jedem vernunftbegabten Wesen klar sein. Andernfall ist das Subjekt eh ein Fall fürs CallCenter. ^^

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  4. Anzug? Was ist das denn?? ^^

    Vielleicht hat mich deswegen der Typ bei QNAP nicht so ernst genommen... Ich hätte ihm gerne knappe 500 Euro auf den Tisch gelegt für eines seiner Geräte... Naja... dann halt nicht... ^^

    Wenn ich nun Geschäftlich auf die CeBit müsste, würde ich mich wohl auch um einen Anzug kümmern... ;-)

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  5. Stil ist doch kaum mehr gefragt. Vorbilder gibt's auch kaum noch (ich denke nur an die aktuelle Anson's-Werbung). Im Geschäftsleben herrscht Einheits-Look. Woran soll man(n) sich denn orientieren?

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    1. Kannte die Ansons-Werbung gar nicht. Da ist aber auch ein Wildwuchs drin...
      Orientierung: wie gesagt, man kann sich ja zu einer der o.g. Klassen bekennen ;-)

      Ansonsten finde ich im allgemeinen die Auswahl an Herrenkleidung bescheiden. Da beschwere ich mich schon seit Jahren. So langsam trauen sich einige Designer auch mal vom Basic-Schnitt weg zu kommen.

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