Freitag, 18. November 2011

Lernen im Vergleich zum Überqueren einer Mauer

Im Laufe der Jahre hat sich mein Lernmuster verändert. Ich setze dies zum besseren Verständnis mal in Relation zum überqueren von Mauern.
Bis zu meinem 12ten Lebensjahr fiel mir lernen nicht wirklich schwer. Mir flog regelrecht alles zu. Nicht perfekt, aber so, dass ich ohne viel lernen durch die Schule kam. Die Mauern waren quasi kniehoch und ohne weiteres zu überqueren.
Ab dem Zeitpunkt kam ich in die Realschule. Die lokale Realschule meiner Heimat hatte ein sehr sehr hohes Lernniveau, weswegen ich dort erst mal lernen musste, wie man lernt. Das war gar nicht so einfach! Die Mauern wurden also mit einem Mal Hüfthoch und waren nur mit Aufstützen zu überwinden.
Ausbildung und Zivildienst waren wieder leichte Übungen, da es sich um Themen handelte, mit denen ich mich seit langem beschäftigt habe. Die Mauern waren immernoch hüfthoch, aber ich war darauf trainiert. Kein Problem also.
Einige Zeit später, die Technologie schritt reichlich schnell voran, ging es daran in meinem Job neue Programmiersprachen, Tools, Denk- und Arbeitsweisen zu erlernen. Ich setzte mich also auf den Hosenboden und fing an zu lernen. Die Mauern waren reichlich und alle etwas über Kopfhöhe. Aber mit Schwung und Anstrengung waren auch diese zu überwinden.
Mittlerweile bin ich so fixiert auf's lernen, dass ich mittlerweile auf den Mauern bleibe und nur noch von der einen Mauer auf die nächste springe. Sei es nun von der Entwicklungsmauer auf die Projektmanagement-Mauer oder die Psychologie-Mauer...alles kein Problem mehr, es wird alles gelernt.

So...warum erzähle ich euch das eigentlich alles? Ich habe ja in meinem Job reichlich mit Leuten zu tun, denen ich als Dienstleister helfe. Dabei bin ich stets bemüht nicht nur die Anforderungen meiner Kunden zu lösen, sondern auch einen Mehrwert zu liefern und auch den Kunden etwas Gutes auf den Weg zu geben, damit sie ihre Probleme in Zukunft selbst lösen können und wir uns auf interessantere Anforderungen stürzen können.
Einige nehmen dies gerne an und entwickeln diese kleinen Goodies weiter und überraschen mich manchmal sogar kurze Zeit später mit innovativen Weiterentwicklungen. Andere zieren sich etwas und ich muss Ihnen zum Überqueren der Lernmauer noch die Hand reichen. Die letzten....und das sind leider sehr sehr viele, die schaffen es nicht mal über die kniehohen Mauern. Niemals, auch wenn ich bereits 10x geholfen habe. Sie sind schlichtweg und ergreifend lernresistent. Ich glaube nicht direkt, dass sie dumm sind. Auch sozial sind sie durchaus normale Menschen, aber die Eigenschaft sich Vorgehensweisen zu merken und auf ein anderes Problem zu replizieren ist einigen Menschen wohl verwehrt geblieben.
Der Hobby-Psychologe in mir fragt sich jetzt gerade, ob dies eine angeborene Eigenschaft ist oder aus dem sozialen Umfeld kommt. Ich habe irgendwann "lernen" gelernt also schätze ich handelt es sich um eine Eigenschaft, die nicht angeboren ist.

So. Frust von der Seele geschrieben. Danke für's lesen!

Kommentare:

  1. Das ist ein bekanntes Problem ud zeichnet vor allem Alt eingesessene Angestellte von Behörden aus. Im Sitzen wird es halt schwierig, über kniehohe Mauern zu steigen. :D

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  2. Vielleicht haben diese Menschen Berufe oder andere soziale Anforderungen, die sie zwingen, auf bekannten Denkmustern zu verharren...

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