Montag, 10. Oktober 2016

Double Standards?

Beginnen möchte ich diesen Artikel mit dem gezeigten Meme. Es bringt ziemlich auf den Punkt was ich hier ansprechen möchte.
Aktuell lese ich immer öfter in meinem Social Media Eckchen von Gender-equality, Feminazis, etc. Die Themen drehen sich so grob darum, dass Leute sich aufregen, dass Frauen oder Mädchen nicht fair behandelt werden. Nicht gleichgesetzt mit Männern oder Jungs. Jetzt vom Gehaltgefüge mal abgesehen...es gibt sicherlich ein paar Punkte wo auch ich den Streit berechtigt finde.

Aber gerade heute kam ein Artikel darüber, ob wir umdenken sollten, wenn wir Mädchen loben. Viele 6-10 jährige bekommen nach eigener Aussage Lob, wenn sie gut aussehen. Selbstwahrnehmung ist was feines - Vermittlung von Werten wäre besser. Warum soll ich ein hübsches Mädchen nicht mehr loben? Warum sollte ich einen hübschen Jungen nicht loben? Wenn ich Jungs in der Stadt sehe, die ein cooles Shirt tragen (neulich: Justice League), dann warum nicht loben?
Wo ist das Problem? Vielleicht sollte man mal anfangen bessere Rollmodels für Mädchen zu generieren? Ach ja....haben wir. Freche Biene Maja, Barbie erlebt Abenteuer und lernt Lektionen für's Leben. Selbst Fiesling Tinkerbell wird "entbitched" und ist nun Serientauglich. Supergirl hat eine eigene TV-Sendung bekommen. Wonder Woman steht in forderster Front im letzten Batman v Superman-Film. Catniss ist die Heldin einer ganzen Buch- und Filmreihe. Hermoine Granger ist das Vorzeigemodell einer guten Schülerin und Zauberin, die auch Mut zeigt. Warum hackt man denn nun weiter auf dem Thema rum? Sind es zu wenig Frauen? Beherrscht vielleicht die Nachfrage das Angebot und die Nachfrage ist gesättigt?

Dann wird immer fleißig auf den Körperbau der Protagonistinnen rumgeritten. Jetzt bitte ich aber mal auch fair zu vergleichen. Welche Helden stehen so für Jungs da. In meiner Kindheit schon: He-Man. Heutzutage wieder Batman, Superman und die Klassiker. Hat sich mal jemand deren Körperbau angesehen? Gehen wir mal weiter - die etwas ältere Generation. Was läuft uns da so über den Weg? Ein Captain America mit Super-Serum-Muskeln. Thor - ein Gott mit göttlichem Körper. Und treiben wir es mal ins Extrem: Dwayne "The Rock" Johnson - wobei ich bei ihm immer sagen muss, dass er recht sympatisch ist, weil er kein Geheimnis daraus macht, wie er diesen Körper bekommen hat und erhält.
Als Krönung dann auch mal das Logo von der neuen Spider-Man Serie von Disney für 2017.




Wenn wir jetzt mal vom Körperbau weggehen und uns auch die menschlichen Beispiele nehmen. Wodurch glänzen diese? Anzüge für Kerle. Sei es James Bond, Agent Coulson, Dr. Who, Lucifer und Sherlock. Selbst Loki! Weibliche Heldinnen tragen also immer Kleider und Röcke? naja. In Jogginghose retten nur die wenigsten Kerle die Welt. Also auch hier finde ich keine Fairness. Im Gegenteil - für Kerle gibt es wenig ansehnliches woran man sich orientieren kann. Während Frauen eine Vielzahl an raffinierten Oberteilen, Kleidern, Kostüme etc. vorzuweisen haben, gibt es bei uns Kerlen eher nur Basics.

Optisch gesehen müssen auch die Helden was hermachen. Gepflegt ist ein absolutes Muss. Welcher Held ist schon mit zotteligen Haaren und unrasiert zu sehen? Oder weitergehend: ohne markantes Kinn oder hübschen Augen? Auch hier stehen wir als Kerle dem Schönheitsidealen in nichts nach.







Mit einer Ausnahme will ich behaupten - Benedict Cumberbatch. Der Typ, der von sich selbst sagt, dass er kein hübscher Mann ist und aus meiner Sicht sogar damit recht hat. Er ist ein Schwarm der Frauen. Aber auch das verstehe ich - der Typ ist authentisch und was er als Mensch und Schauspieler für eine Message transportiert einfach genial.



Kommentare:

  1. Nun ja, das ist ein wenig oberflächlich betrachtet.
    Ich habe da eine etwas differenziertere Meinung.
    Es gibt eine ungleich Behandlung von Männern und Frauen. Die ist viel subtiler.
    Männliche Eigenschaften werden positiv bewertet, weibliche eher negativ.
    Das zeigt sich schon im Vokabular und dem allgemeinen Sprachgebrauch.
    Das offensichtlichste Beispiel sind die Worte herrlich und dämlich.
    Aber auch solche Floskeln: Jemand steht seinen Mann oder jetzt stell dich nicht an wie ein Mädchen.
    Anders gesagt: Hau drauf Mentalität ist positiv besetzt, Empathie negativ.
    Wir, ja auch Frauen diskriminieren Frauen, hängen uns am den lautesten Leitwolf (auch ich: Siehe meinen aktuellen Post). Wer am lautesten brüllt ist der Chef. Frauen liegt brüllen aber weniger als Männern. Frauen haben aber mehr Empathie. Sie sind häufiger in sozialen Berufen anzutreffen, die aber schlecht bezahlt sind. Frauen sind seltener in Führungspositionen zu finden, weil sie nicht einen auf dicke Hose machen und bei ihrer Selbsteinschätzung näher an der Wahrheit bleiben: Habe ich noch nie gemacht, traue ich mir aber zu. Wohingegen Männer eher sagen: Klar kann ich.
    Dabei sind eher weibliche Skills für Führungskräfte notwendig.
    Das ist ein sehr komplexes Thema, das sich schwer im wenige Worte fassen lässt. Deshalb höre ich jetzt auch auf.
    Nur zum Schluß: es ist nicht schlimm, wenn man Menschen für ihre Optik ein Kompliment macht. Man sollte sie nur nicht darauf reduzieren und es ist an der Zeit auch weiblich besetzte Attribute wertzuschätzen.

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    1. Vielleicht hast du recht. Vielleicht betrachte ich das Thema oberflächlich, weil ich mich an ebenso oberflächlichen Artikeln aufhänge.
      Ich muss gestehen, dass ich diesen Zusammenhang im Sprachgebrauch bis heute nie wahrgenommen habe. Ist das wirklich so vielen präsent?
      Es ist korrekt, dass Empathie erst langsam Einzug in unsere Kultur findet. Da befinden wir uns gefühlt im Wandel, was ich auch sehr gut finde. Ich denke an dem Teil wird es schon besser werden, aber es braucht eben Zeit.
      Im übrigen finde ich, dass du recht hast - viele Führungskräften fehlen eine Menge Softskills. Gott sei Dank ist mein neuer Chef da echt gut drauf.

      Danke auch für dein Feedback. Gab mir auch wieder neue Einsichten.

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    2. Ich glaube, dass der Zusammenhang zwischen Sprachgebrauch und "Bewertung" der Geschlechter ganz vielen Menschen nicht bewusst ist. Unbewusst, jedoch macht das was mit den Menschen, mit der Gesellschaft.

      Ich habe erst vor ein paar Tagen einen Artikel gelesen, der meine Theorie, dass weibliche Attribute gesellschaftlich nicht so hoch geschätzt werden wie männliche, bestätigt:
      schau mal rein, ist ganz interessant.

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    3. ein wirklich guter Artikel, den ich größtenteils so unterschreiben würde. Ich muss gestehen, dass ich allerdings alle Menschen als Individuen mit verschiedenen Stärken betrachte. Es gibt sicherlich viele Frauen, die eine gute Führungsposition besetzen würden. Widerum sehe ich auch viele Männer, die ihr Glück und Bestimmung in dem finden was als "Frauenberuf" gesehen wird - wobei es den Herren dort auch nicht gerade einfach gemacht wird (viele Mütter lehnen noch immer männliche Erzieher ab).

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