Freitag, 14. Dezember 2012

Ich möchte, dass Sie dieses Gespräch jetzt beenden

Ich habe derzeit einen schwierigen Kunden. Die Aufgabe an sich ist kniffelig, aber nicht zu sehr. Derjenige der die Aufgabe gelöst haben möchte aber um so mehr.
Immer wieder ändert sich seine Anforderung nur ein Stück weit, welches meine Vorgehensweise aber immer wieder ändern lässt.
So drehen wir in diesem Projekt einen Probelauf nach dem anderen, bis er glücklich ist.
Neulich schrieb er in einer Mail in der ich ebenfalls als Empfänger eingetragen war: "Herr Held wird in Zukunft über Änderungen im Voraus informieren.". Klar werde ich das, aber wenn man schon mit mir mailt braucht man mich nicht in dritter Person ansprechen. Das ist herabwürdigend.
Heute haben wir ein recht erfolgreiches Ergebnis vorgestellt und ich schrieb recht euphorisch davon. Der Kunde meint ein "gutes Ergebnis" wäre es erst, wenn der Kunde glücklich ist. Mein gutes Ergebnis war fachlich dokumentiert und sachlich formuliert worden. Seines leider gar nichts von beidem.
Ich informierte den Projektleiter, da andere Kollegen schonmal das Problem hatten und er selbst den Kunden schonmal darauf angesprochen hat, dass wir Schwierigkeiten haben mit seiner Art. Diesmal wollte ich es selbst tun, denn wenn ich das weiter in mich hereinfresse explodiere ich bei diesem Menschen demnächst. Soweit kann ich das auch ganz gut und sachlich kommunizieren, also hatte ich auch keine Sorge davor den Kunden auf etwas zwischenmenschliches anzusprechen. Immerhin geht es zwischen dem Kunden und "uns" als Firma um eine anstehende jahre- vielleicht jahrzentelange Partnerschaft.
Auf das Thema reagierte er jedoch überraschend Aggresiv. Die fachliche Argumentation hatte bei ihm überhaupt keinen Bestand in dem Gespräch. Ich bat ihn darum sich in der zukünftigen Kommunikation doch bitte auf sachliche und fachliche Inhalte zu beschränken. Auch ich werde mich an diese Maßgabe halten und sämtlichen emotionalen Ausdrücke unterbinden. Er antwortete mit den Worten (Zitat): "Herr [Held], sie verschwenden meine Arbeitszeit! Ich möchte, dass Sie dieses Gespräch jetzt beenden.".
Ich war tatsächlich etwas perplex. Zum einen verschwende ich seine Arbeitszeit, weil ich ein Projekt für ihn realisiere (okay er zahlt dafür) und dieses unter einem freundlichen Umgangston mit ihm führen möchte? Nunja. Was mich dann aber gewundert hat war seine Wortwahl: "Ich möchte, dass Sie dieses Gespräch jetzt beenden.". Mal gegen gelesen bedeutet es, dass er es nicht beenden möchte, aber ein Ende herbeiführen möchte. Da ich ihm die Arbeitszeit verschwende tat ich ihm indirekt diesen nicht-Gefallen und beendete das Gespräch. Nebenher distanziert er sich mit dem Wort "dieses" sehr deutlich von dem aktuellen Gespräch und klang angewidert.
Wenn sein Unterbewusstsein mir mitteilt, dass es diesen Konflikt eigentlich doch lösen möchte, er sich aber nicht bewusst damit auseinander setzen kann, dann scheint er mit sich so im unreinen zu sein, dass ich jetzt nicht den Psychiater für ihn spielen muss.
Ich kann auch anders und ich bin sehr gespannt wie sich dieses Projekt noch entwickelt.

Kommentare:

  1. Armer Held, da kommt er voller Tatendrang und Hilfsbereitschaft an und wird dann so arg vor die Brust gestoßen.
    Komm her Herr Held, ich nehm dich kurz in den Arm und knuddel dich.

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  2. Ich will ja nicht den Teufel an die Wand malen, aber das klingt sehr nach "Ständig meckern, um den Preis zu drücken".

    Bei solchen Leuten balle ich das eine oder andere Mal die Faust in der Tasche. Aber immer lächelnd; auch wenn's schwer fällt.

    Viel Erfolg und vor allem Geduld. :-)

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