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Freitag, 23. September 2011

Das Ding mit dem Gleitgel...

Die Geschichte ist nun schon ein paar Jahre alt.
Ich reise öfter mal mit der Bahn, wie dem aufmerksamen Leser mitlerweile aufgefallen sein dürfte. Ich war mit einem mittelgroßen Koffer unterwegs, der sich auf 2 kleinen Rädchen ziehen ließ. Eines der Rädchen quietschte bereits eine ganze Weile, aber an dem Tag entschied es sich Menschen töten zu wollen. Es fing an konstant an einer Stelle der Drehung einen quietschenden Ton zu verursachen, der bei Dauerbeschallung sicherlich einen Teil des Hirns einfach ausradieren könnte.
Da stand ich nun also am Münster Hauptbahnhof mit meinem Koffer. Ich hatte kein WD40 dabei. Dann überlegte ich, was ich tun könnte. Der Army-Shop nebenan dürfte nichts haben. Beim Bäcker nach Butter zu fragen war auch nicht das wahre, denn die wäre schwierig ans Rädchen zu bekommen. Also grübelte ich kurz. Etwa 500 Meter vom Bahnhof gab es einen Sex-Shop. Alles klar - mit Reibung kennen die sich aus.
Ich ging in den Laden und an den Tresen. Ein netter Verkäufer grinste mich an. "Ich brauche die kleinste Portion Gleitgel, die ihr habt", sagte ich. Er reichte mir eine kleine Packung etwa in der Größe eines verpackten Kondoms mit den Worten: "Hier ne Gratis-Probepackung". Ich war erfreut und öffenete die Packung. Die Augen des Verkäufers wurden größer. Dann legte ich meinen Koffer auf den Boden und verschwand vor dem doch recht hohen Verkaufstresen. Der Verkäufer machte einen leicht panischen Eindruck, weil er sich wohl wunderte, was ich dort tue. Er beugte sich weit über den Tresen und fragte, was ich dort tue. Schnell erklärte ich ihm: "Mein Koffer quietscht."
Kurz darauf testete ich die Rollfähigkeit und siehe da: kein Quietschen mehr! Ich bedankte mich beim Verkäufer und verließ den Laden, um eilig meinen nächsten Zug zu bekommen. Übrigens hat der Koffer nie wieder gequietscht.
Neulich dachte ich noch: Das wäre auch eine geile Werbung für ein Gleitgel. Einziges Problem: Selbst ich habe mir nicht mal das Produkt gemerkt, wobei es doch ein recht erstaunlich lang anhaltendes Gleitgel zu sein schien!

Montag, 12. September 2011

Verspätungen

War ich letztens nicht noch bei Ladezeiten?

Ich bin es Leid ständig darüber zu schreiben, aber die Deutsche Bahn lässt mir mal wieder keine andere Wahl. Es ging darum vergangenen Dienstag eine Strecke von 280km zu überbrücken. An meinem Startort hatte mein erster Zug eine Verspätung von 5 Minuten. Damit verpasste ich meinen Anschlusszug in Hannover - da diese ja keine 5 Minuten an so großen Bahnhöfen warten können.
Die einstündige Wartezeit verbrachte ich damit mir einen leckeren Caramel Macchiato zu genehmigen. Beim ersten Schluck fiel mir dann ein, dass es mit meinem Schlummer-Exkurs auf der nun folgenden zweistündigen Bahnfahrt vorbei sein würde. Kaffee vs. Schlaf - Kaffee wins!
Natürlich wie sollte es anders sein habe ich durch die einstündige Verspätung den Takt der lokalen Bimmelbahn, welche von Dortmund zu meinem Zielort pendelt verpasst. Erneut eine Stunde warten.
Ich würde dann also bereits 2 Stunden später im Büro ankommen - mein Chef nimmt es locker, ich darf die Stunden nachholen wann immer es mir die Woche beliebt.


Nunja auch der Rückweg blieb nicht frei von "Überraschungen".
Zwischen Dortmund und Hannover wird bei einigen Linien im Örtchen Hamm (übrigens ein beschissener Ort für längere Aufenthalte) der Zug geteilt oder mit einem anderen verkuppelt. Dies ist laut Plan der deutschen Bahn in unter 15 Minuten zuschaffen - das klappt übrigens nie!
Nunja...wir fahren also in Hamm ein. Ich wache auf, da wir nicht wie gewöhnlich nach einiger Zeit weiter fahren. Dann eine Durchsage: "Unsere Weiterfahrt verspätet sich um vorraussichtlich 15 Minuten, da wir auf den vorderen Zugteil warten, welcher mit einer Verspätung hier in Hamm eintreffen wird". Mist - keine Alternativroute möglich. Also warten. Einige nutzen die Chance um eine Zigarette rauchen zu gehen.
Der andere Zug fährt tatsächlich etwa 15 Minuten später ein. Die Türen unseres Zuges schließen sich zwecks Verkupplung. Die Raucher die draußen stehen machen ein ziemlich dämliches Gesicht und ich grinse innerlich. Was jetzt folgt wiederholt sich zu gerne hier in Hamm.
Die Züge sind verkuppelt und es steigen einige Leute um, immerhin sind wir der Zug mit dem Bordrestaurant. Bevor es aber zum überteuerten Snack&Bierverzehr geht - erstmal Sitzplatz sichern. Also werden schnellstmöglich alle freien Sitze belegt. So auch natürlich die der bis eben noch draußen stehenden Raucher. Nur wenige Sekunden später entsteht der Streit zwischen "Sie waren nicht hier" und "Aber meine Sachen liegen schon hier". Ist etwa so wie im Urlaub die Liege mit dem Handtuch zu belegen, nur das man hier in Hamm damit durchkommt.
Im übrigen hat der Kuppelvorgang länger als 15 Minuten gedauert und wir fahren mit einiger Verspätung los.

Kurz vor Hannover werden uns die Anschlusszüge vorgelesen. Wir haben nur noch 2 Minuten Verspätung, der Lokführer hat also wohl ordentlich Kohlen ins Feuer geschaufelt. Alle möglichen Züge warten auf uns. Teilweise sogar 5 Minuten! Da braucht man auch gar nicht hetzen, was? Außer meiner natürlich, der wartet nicht, dabei bräuchte ich nur 2 Gleise weiter. An so großen Bahnhöfen kann ja keine 5 Minuten gewartet werden. Na danke. Erneut eine Stunde Wartezeit in Hannover. Spät Abends bei allerlei uriger Gestalten  - irgendwo war wohl eine Atzen-Party.
Ende der Geschichte: Ich habe in der Woche reichlich Zeit verloren und die Bahn hat wieder Minuspunkte bei mir kassiert.

Donnerstag, 1. September 2011

Ladezeiten

Was gibt es eigentlich schlimmeres als Ladezeiten?
Gut...man versteckt es mittlerweile hinter dem Wort Buffering. Vodafone macht sich da gerade einen Spaß in der Werbung draus, indem sie zwei junge Leute durch eine langsame Welt laufen lassen, da diese mit Ladehemmungen zu tun hat. Das ist ziemlich diskriminierend, wenn man bedenkt, dass Vodafone in meinem Wohngebiet gar kein Internet anbietet und sich dann auch noch ganz nett in TV und Kino über mich lustig macht.
Da sitzte ich dann im heimischen und möchte einen Trailer für das neue Tomb Raider schauen...2:38 Minuten Laufzeit. Angeklickt, 10 Sekunden gewartet und der Trailer startet. Naja mit 3x Zwischenbuffern dauerte der Trailer dann 15 Minuten. So verschwendet man Zeit.
Drauf gebracht hat mich allerdings erst gestern eine Busreise. Ich mag keine Busreisen, schon gar nicht bei unserem lokalen Busunternehmen - beschissene Fahrzeiten, beschissen getimed mit der Bahn (Bahn kommt, Bus da, aber wehe man will ne Bahn erreichen). Nunja. Also....25 Minuten Fahrzeit in die Stadt. Puh...also die gute Linie soll's sein. Die andere bräuchte 1,5 Stunden.
Ich stehe also an der Bushhaltestelle. Es regnet, ich bin gut eingepackt bei den sommerlichen 20°C - jeder zehnte Pixel war ein Regentropfen. Das Busse mal 5 bis 10 Minuten Verspätungen haben wegen viel Verkehr und oder Gästen kenne ich. Ich warte weiter. Eine junge Dame mit einer großen Schachtel Tupperware steht neben mir. In der Tupperschachtel: Pizzastücken...etwa so viel wie für 2 große Pizzen. Mist - Hunger.
Naja. Auch sie kontrolliert mittlerweile zum dritten mal den Fahrplan. Auch sie scheint nicht lesen zu können - ich aber auch nicht. Sollte der Bus nicht schon längst hier sein?
Mit 15 Minuten Verspätung fährt der Bus vor. Leer. Kein Gast drin. Was hat den aufgehalten? Tja...ein anderer Bus ist liegen geblieben und er kam nicht vorbei. Schönes Ding. Von 25 Minuten hat sich meine Anreise also um 60% verlängert. Ich stieg geschwind in den Bus und sage dem Fahrer wo es hingehen soll. Er nennt mir den Preis von 1,80€. Lässig frage ich: "und wie kommen Sie mir preislich wegen der Verspätung entgegen?" - er schaut mich erstaunt an, darauf ich: "15 Minuten, das sind etwas über die Hälfte der gesamten Fahrzeit.". Der Fahrer schaute noch erstaunter - jaaaa ich kann sowas im Kopf rechnen, wollte es ihm allerdings nicht genau nennen, da man mich sonst für einen pedantischen Geek oder Nerd halten könnte. In dem Moment hätte es jegliche Form von Coolness zerstört. Der Fahrer brabbelte etwas unverständlich leises und wirres vor sich hin. Ich winkte ab und setzte mich. Hinderte mich jedoch nicht daran auf meinem iPhone-Gadget geschwind eine Mail an den Betreiber zu senden ;-)
Mit reichlich Verspätung erreichte ich dann mein Ziel und hetzte durch die Straßen, um kurz vor Ladenschluss doch noch 2 simple weiße T-Shirts zu erhalten. Mission completed.

PS: Für alle die noch darauf warten, dass aus dem Buffer-Icon in diesem Artikel etwas tatsächliches geladen wird: vergesst es. Es ist nur ein Buffer-Icon ;-)

Freitag, 12. August 2011

Hobby-Analytiker

Zugreisen können wirklich interessant und amüsant sein. Erst heute wieder war ich unterwegs von NRW in Richtung Hannover. In einer kleinen Bimmelbahn gab es ein Energiebündel von geschätzten 8 Jahren. Ständig auf den Beinen und am umher wirbeln. Was allerdings wesentlich interessanter war, war sein Verhalten. Er hatte einen konstant provozierenden, anspornenden Ton. Als würde er über alles meckern. Darüber, dass seine Mutter die Bilder die er malte nicht erkannte, darüber, dass seine Mutter eine ungenaue Ankunftszeit angegeben hat. Ihr merkt es selber schon, es bezieht sich reichlich auf die Mutter. Zur Mutter: geschätzte 36, vom Aussehen her eher 39. Verwuschelte Haare, übergroßes Sweatshirt, blaß-graue Jogginghose und Sneaker. Über zwei sitze gelegt, die Füße in der Luft baumelnd. Eher so der lockere Typ.
Als Hobby-Verhaltensanalytiker stelle ich nun folgende Theorie auf:
Der Sohn ist ziemlich angenervt vom Verhalten seiner Mutter. Die ZU lockere Art, ggf. ab und an eine zu häufig vorkommene Unpünktlichkeit. Daraus resultierende Probleme. Vielleicht auch eine gewisse Gleichgültigkeit der Mutter. Seine darauf unterbewusst gelernte Reaktion: Fordern. Ansporn. Aber nicht im sanften Ton, darauf würde die Mutter wahrscheinlich nicht reagieren. Im Gegensatz zu ihr saßen auch seine Klamotten perfekt. Pullover, Hose, Socken, Schuhe, alles da wo es hingehörte.
Ich suchte nach einem gegenteiligen Beispiel und bin dabei schnell fündig geworden. Ich selbst - aber nur zum Teil. Meine Mutter war stets darauf bedacht, dass ich das Haus in sauberen Klamotten verlasse. Mich zu benehmen weiß und lehrte mich meine Sprache und Tonlage den Situationen an zu passen. Was ist daraus geworden? In meiner Rebellenphase bekam ich lange schwarze Haare, lief in "bösen" Metall-Shirts umher und äußerlich verbreitete ich bei einigen Menschen wohl Angst und Schrecken. Wenn man mir nett begegnete war ich allerdings weiterhin der nette zuvorkommende Mensch. Aber auch meine Ansprüche waren simpel. Man saß da wo es passte (Wiesen, Felder oder am leicht runtergekommen Pfeiler auf dem Bahnhof).
War das unterbewusst eine Revolte gegen das konstant auf mich angewendete Verhalten? Ja doch.
Für alle verschreckten Großmütter und sensiblen Personen: ich bin fast wieder normal ;-)
Aber auch heute Suche ich gelegentlich die Abwechslung zu meinem sonst so braven zivilen Leben. Ich gehe zu Rock-Veranstalltungen, feiere mal die Nacht bis zum nächsten Morgen durch oder gammel zu Hause in lockerer Kleidung rum.

In diesem Sinne. Euer Hobby-Analytiker wünscht ein schönes Wochenende. Bis zum nächsten Abenteuer!

Donnerstag, 27. Januar 2011

Moralische Probleme in der deutschen Bahn?

Neulich erst passiert: ich sitze wie üblich in der Bahn. Habe für etwas mehr Geld zwei Sitzplätze reserviert. Für mich und mein sehr großes, schweres und unhandliches Gepäck. In dem Koffer befindet sich auch mein Laptop, daher lasse ich ihn nicht aus den Augen. Der Zug Hannover-Dortmund ist stets sehr voll. Eine ältere Dame spricht mich an, ob der Platz belegt sei. Ich kläre sie über die Reservierung auf. Sie regt sich auf, wird laut, fragt mich, wie ich das verantworten kann ältere Menschen stehen zu lassen und das dies gar nicht rechtens sei. Und ob ich kein schlechtes Gewissen hätte. Ich vermeide eine Diskussion (Tonlage und Lautstärke hätten zu nichts geführt) - wir warten beide auf den Schaffner. Als dieser dann kam klärt er die Situation diplomatisch. Ich habe bezahlt, daher ist es mein Recht. Die ältere Dame ist empört, einige Passagiere in der Umgegend regen sich noch immer über diese Jugend von heute auf. Es ist nicht so, dass ich es nicht schade finde, dass die Dame jetzt einen neuen Sitzplatz finden muss, aber sie hatte die gleichen Möglichkeiten zu reservieren wie ich. Der Zug ist von der Bahn überall mit Reservierungsempfehlung ausgeschrieben. Wann immer ich mal zu spät diesen Zug erwische passiert es mir, dass ich stundenlang unbequem auf dem Boden zwischen den Waggons und neben den stinkenden Toiletten reisen muss, wo ständig jemand an mir vorbei muss. Auch ich kenne die andere , unangenehme Art zu reisen. Aber dann muss ich damit leben - Ich hätte auch anders reisen können (später, mit Sitzplatzreservierung). Warum regen sich einige Zeit später Menschen um mich herum immer noch so auf? Weil ich vorausschauend war? Ich suche die Schuld eher bei der Bahn. Sie hätte die Dame besser beraten sollen. Oder mehr Sitzplätze zur Verfügung stellen sollen. Das Problem ist ja nicht seit gestern erst bekannt, kenne es seit vier Jahren. Und ja ich habe moralische Probleme. Die alte, meckernde Dame tat mir, wie viele andere die schmachtenden Blickes an mir vorbei gehen, leid. Nur was tue ich? Unbequem reisen, damit es anderen besser geht? Es gibt zu wenige Menschen die so etwas auch für einen jungen Mann mit schwerem Gepäck tun würden. Zudem zahle ich überteuerte über 60 Euro (über 70 mit Reservierung) für eine Reise mit noch weiteren Unannehmlichkeiten. Ist das dekadent? Ist es übertrieben? Ja vielleicht. Aber ist auch: erlaubt, legal, für jeden machbar und somit in meinen Augen nicht unfair. Nicht sonderlich heldenhaft. Aber ich hielt mal wieder an meinen Prinzipien fest. Das Dilemma mit der Moral bleibt.